Auf Anregung der damaligen griechischen Kulturministerin Melina Mercouri
hatte der Rat der Europäischen Union beschlossen, jährlich eine "Kulturhauptstadt Europas" zu küren, um das Zusammenwachsen der europäischen Staaten zu fördern.
Aufgrund dieser Initiative wurde 1985 Athen die erste Kulturhauptstadt Europas.
Auf Athen folgten Florenz, Amsterdam, Berlin und Paris: schillernde Kulturmetropolen, deren Ernennung keine Überraschung darstellte.
Erst die Nominierung der schottischen Arbeiterstadt Glasgow zur Kulturhauptstadt 1990 markiert einen Wendepunkt im Kulturverständnis der Europäischen Union und ebnete den Weg zur Kulturhauptstadt für ehemalige Industriestandorte wie Porto, Lille, Liverpool und das Ruhrgebiet.
Kultur wird seitdem nicht mehr nur nach ihrem Status- und Unterhaltungswert beurteilt, sondern zunehmend als eigenständiger Wirtschaftsfaktor mit Stadtentwicklungspotenzial wahrgenommen. Dazu gehört auch die Erkenntnis:
Kultur ist nicht an feudale und sakrale Traditionen gebunden, sondern kann
sich in "Schlössern und Kathedralen der Arbeit" ebenso prachtvoll entfalten.
Glasgownutzte als erste Kulturhauptstadt Europas die gesamten zwölf Monate für Veranstaltungen, brachte Kulturprojekte mit sozialen und ökonomischen Zielen auf den Weg und setzte ein umfangreiches Stadterneuerungsprogramm
in Gang.
Von den damals eingeleiteten Veränderungen profitiert die Stadt heute noch.